Biennale Musik & Kultur der Synagoge

Zwei Jahre nach der erfolgreichen Premiere spiegelt die Biennale 2010 im Kulturhauptstadtjahr mit Konzerten, Lesungen, Vorträgen und Führungen sowie einer Ausstellung und einer Tagung die Bandbreite der jüdischen Kultur in Deutschland.

Avitall Gerstetter (Foto: Jim Rakete)Avitall Gerstetter (Foto: Jim Rakete)Die erste jüdische Kantorin in Deutschland eröffnet am 9. Mai die diesjährige Biennale »Musik & Kultur der Synagoge«. Gemeinsam mit dem Keyboarder Mike Lindup (Level 42) und dem Percussionisten Rhani Krija (WDR-Bigband, Sting, Grönemeyer u.a.) setzt die Berliner Sängerin Avitall Gerstetter ein erstes, akustisches Ausrufezeichen im deutlich erweiterten Festivalprogramm.

Zwei Jahre nach der erfolgreichen Premiere spiegelt die Biennale 2010 im Kulturhauptstadtjahr mit Konzerten, Lesungen, Vorträgen und Führungen sowie einer Ausstellung und einer Tagung die Bandbreite der jüdischen Kultur in Deutschland. Über 70 Jahre nach der Pogromnacht von 1938 will das Kulturfest in der Metropole Ruhr die in Deutschland nahezu zerstörte Tradition synagogaler Musik des Judentums in Erinnerung rufen und neu beleben.

Drei hochkarätige Chöre im Biennale-Programm

Synagogal Ensemble Berlin (Foto: Synagogal Ensemble Berlin)Synagogal Ensemble Berlin (Foto: Synagogal Ensemble Berlin)Über 30 Veranstaltungen in der gesamten Metropole Ruhr sollen dazu beitragen. Neben Avitall Gerstetter gehören gleich drei renommierte Chöre zu den weiteren Höhepunkten der Biennale 2010 und präsentieren die Schönheit und den Reichtum sakraler jüdischer Musik: das Synagogal Ensemble Berlin, der Leipziger Synagogalchor und der Dortmunder Chor „Bat Kol David“.

Das Synagogal Ensemble Berlin bietet am 30. Mai um 18 Uhr in der Synagoge Dortmund eine Verbindung von jüdischer Tradition und abendländischer Harmonik in der Nachfolge des deutsch-jüdischen Komponisten Louis Lewandowski (1821-1894), dem am 6. Juni ein Komponistenporträt mit Vortrag und Konzert um 17 Uhr und 20 Uhr in der Synagoge Recklinghausen und in der Christuskirche gewidmet ist. Beim Konzert in Dortmund sind unter der Leitung der Organistin Regina Yantian und mit Kantor Isaac Sheffer als Solist auch Werke von Komponisten des 19. und 20. Jahrhunderts wie Sulzer und Naumbourg, Weill, Ravel, Steinberg und Finkelstein zu hören.

Als international anerkannter Botschafter der Musik der Synagoge gastiert der Leipziger Synagogalchor unter der Leitung von Kammersänger Helmut Klotz am 19. und 20. Juni in Essen und Gelsenkirchen. Nach seinem Auftritt ihm Rahmen der ersten Biennale vor zwei Jahren verspricht der Chor auch im Kulturhauptstadtjahr homogenen Klang, rhythmische Prägnanz und stimmliche Brillanz. Mit seinem umfangreichen Repertoire bewahrt der Chor seit 50 Jahren einen Teil des europäisch-jüdischen Kulturerbes.

Als dritter hochkarätiger Chor tritt am 16. Mai um 17 Uhr im Jüdischen Museum in Dorsten und am 27. Juni ebenfalls um 17 Uhr in der Synagoge Bochum der Dortmunder Chor „Bat Kol David“ auf. Das Ensemble des Landesverbandes der jüdischen Gemeinden von Westfalen-Lippe hat sich zum Ziel gesetzt, über den Gesang alte, weithin verloren gegangene synagogale Musik neu zu beleben. Zugleich verstehen sich die überwiegend aus der ehemaligen Sowjetunion zugewanderten Musiker auch als Vermittler moderner jüdischer Musik. Gegründet wurde der Chor 1996 mit Unterstützung des damaligen Landesrabbiners von Westfalen-Lippe, Henry G. Brandt.

Jüdische Orte in der Metropole Ruhr

Neben den musikalischen Highlights gehört die Reihe »Jüdische Orte« zu den weiteren Schwerpunkten der diesjährigen Biennale. In Bochum, Dortmund, Duisburg und Gelsenkirchen werden zwischen dem 9. Mai und 15. Juli geführte Besichtigungen in Synagogen und auf Friedhöfen angeboten. Auch auf von Experten begleiteten Stadtrundgängen können die Teilnehmer die immer noch erhaltenen, vielfältigen Spuren jüdischen Lebens an Rhein und Ruhr entdecken.

Ausgangspunkt der ersten Biennale 2008, die auf Anregung des früheren Bochumer Kulturdezernenten Richard Erny stattfand, war die »Entdeckung«des bedeutenden jüdischen Kantors Erich Mendel. Geboren im Münsterland, aufgewachsen in Herne, wirkte Mendel von 1922 bis zur Pogromnacht 1938 an der Synagoge in Bochum. Nach seiner erzwungenen Emigration baute er ab 1941 in den USA eine der weltweit größten Sammlungen jüdischer Musik auf, komponierte für den jüdischen Gottesdienst und war Dozent für synagogale Musik. Das Münsteraner Ensemble »mendels töchter«, das sich der Pflege und Bewahrung des musikalischen Erbes von Mendel verschrieben hat, gastiert am Pfingstsonntag (23. Mai) um 20 Uhr in der Dorfkirche Wengern. Gut einen Monat später wird am 27. Juni um 16 Uhr zur Erinnerung an den jüdischen Kantor Mendel eine Stele auf dem Platz vor der neuen Synagoge in Bochum enthüllt.

Und auch das ist neu bei der Biennale 2010: Bei einigen Veranstaltungen warten kulinarische Spezialitäten aus der jüdischen Küche auf die Besucher. So eröffnet sich in der Biennale ein weites Feld des Erlebens von Musik und Kultur der Synagoge. Schließlich runden eine Ausstellung über neue Synagogen in Deutschland und eine Tagung über den Aufbruch der jüdischen Gemeinden im Ruhrgebiet das facettenreiche Programm der Biennale »Musik & Kultur der Synagoge 2010« ab.

(Quelle: PM der RUHR.2010 GmbH)

28. April 2010, ah

Rubrik:
Kunst & Kultur
Region:
Ruhrgebiet
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