»Aufruhr 1225!«: Licht- und Schattenseiten des Rittertums

Der gewaltsame Tod des Kölner Erzbischofs Engelbert im Jahr 1225 ist Ausgangspunkt und Leitmotiv der größten Mittelalterausstellung, die bisher im Ruhrgebiet gezeigt wurde: »Aufruhr 1225! Ritter, Burgen und Intrigen« läuft vom 27. Februar bis 28. November 2010 im LWL-Museum für Archäologie in Herne.

RitterFoto: Landschaftsverband Westfalen-Lippe»Der Ritter war für viele Menschen ein Vorbild«, sagt Leenen. »Doch es war lediglich ein Ideal, dem sie nacheiferten. Die echten Ritter hingegen taugten meist nicht als Idole.« In Wirklichkeit führten sie häufig untereinander Kleinkriege, unter denen vor allem die untergebenen Bauern litten. Versuche, die sogenannten Fehden zu unterbinden, scheiterten. Mit ihren Streitigkeiten verärgerten die Ritter auch die Kirche, die ihren Tatendrang im Kampf gegen die vermeintlich Ungläubigen (und nicht gegen andere Christen) forderte. »Das Bild des tugendhaften Ritters gilt daher nur eingeschränkt«, so der Historiker.

Am Anfang stand die Schlacht

»Entstanden ist das Rittertum auf dem Schlachtfeld«, erklärt Leenen. Bereits im frühen Mittelalter gab es Reiterkrieger, die für ihren Herrn in den Krieg zogen. Hoch zu Pferd und durch eine Rüstung geschützt dominierten sie über Jahrhunderte das Kriegsgeschehen. Weit später erst entwickelte sich ein gesellschaftlicher Stand unterhalb des Hochadels. »Ab dem 13. Jahrhundert mussten sich die Ritter ihre Sporen nicht mehr selbst verdienen. Die geborenen Ritter definierten sich von nun an durch ihren Stand, und der wurde vererbt«, so der Mittelalterexperte. Maßgebend waren die ritterlichen Tugenden, die stark von der Kirche geprägt wurden. Ein Ritter sollte täglich eine Messe hören, die Kirche achten und das Christentum verteidigen. Zudem sollte er seinem Landesherrn treu ergeben sein. Ruhm und Ehre konnte er sich auch abseits des Krieges in Turnieren verdienen. In ihnen bewies der Ritter seine Tapferkeit gegenüber seiner Herzensdame.

Ausbildung zum Ritter

Die Ausbildung zum Ritter begann bereits im frühen Kindesalter. Nach der zunächst rein christlichen Erziehung wurde ein Junge ab sieben Jahren am Hof eines Adeligen ausgebildet. Dort erlernte er die vornehmen Sitten und Gebräuche, Musik, Tanz, Geschichte und besonders die Kampfkunst, bis er vom Knappe zum Ritter ernannt wurde. Bei einer feierlichen Zeremonie erhielt der Knappe ein geweihtes Schwert und versprach die ritterlichen Tugenden zu pflegen. »Auch die Söhne des Kaisers Friedrich Barbarossa wurden auf diese Weise zum Ritter, was verdeutlicht, wie sehr das ritterliche Ideal bis in die höchsten Gesellschaftskreise geschätzt wurde«, erklärt Leenen.

Gesellschaftlicher Abstieg

Am allmählichen Niedergang des Ritterstandes änderte dies wenig. Neue Kriegstechniken erschwerten den gepanzerten Reitern das Bestehen auf dem Schlachtfeld. Die Verwaltung der Ländereien und die Rechtssprechung im Reich übernahm immer mehr eine gebildete Beamtenschaft. »Viele Ritter konnten ihren hohen Lebensstandard nicht länger aufrechterhalten und verarmten«, sagt Leenen. Im Umkehrschluss blühten die Städte wirtschaftlich auf und zogen die Menschen in Scharen an. In ihnen entstand eine neue Oberschicht, und diese Bürger verteidigten sich selbst. Leenen: »Im städtischen System hatten die Ritter nichts verloren.« Oftmals suchten die Ritter den Konflikt mit den Städten, wagten meist aber nicht die direkte Auseinandersetzung. Stattdessen überfielen Raubritter städtische Kaufleute auf ihren Wegen außerhalb der Stadtmauern. Dennoch lebten die ritterlichen Tugenden fort, weil sich auch die Stadtmenschen an einer ritterlichen Lebensweise orientierten.

Die Ausstellung

Auf einer Ausstellungsfläche von rund 1400 Quadratmetern, verteilt auf drei Ausstellungshallen, werden in dieser Ausstellung mehr als 1000 Exponate gezeigt. Auf dem Außengelände können die Besucher eine echte Turmhügelburg entdecken. Außerdem haben sich elf Burgmuseen der Region der Ausstellung angeschlosen. Ausgehend von den Lebensgeschichten der beiden Protagonisten – Erzbischof Engelbert und seines Widersachers Friedrich von Isenberg – zeichnet die Ausstellung ein umfassendes Bild des damaligen Lebens: Alltag, Ständewesen, Rechtsprechung, Rittertum, Burgenbau und vieles andere mehr.

Wann?

27. Februar bis 28. November 2010

Wo?

LWL-Museum für Archäologie
Europlatz 1
44623 Herne

Öffnungszeiten

Dienstag, Mittwoch, Freitag: 9 bis 17 Uhr
Donnerstag: 9 bis 19 Uhr Samstag, Sonntag und an Feiertagen: 11 bis 18 Uhr

Eintrittspreise (Auszug)

Erwachsene: 6,00 Euro
Kinder und Jugendliche (6 bis 17 Jahre): 4,00 Euro
Familienkarte: 12,00 Euro

Webseite

www.aufruhr1225.de

(Quelle: PM des Landschaftsverband Westfalen-Lippe)

12. Januar 2010, ah

Rubrik:
Dies & Das, Fun & Action, Kunst & Kultur
Region:
Ruhrgebiet
Tags:
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