Duisburg: Local Hero No. 20

Vom 23. bis 29. Mai feiert ganz Duisburg die Local Heroes Woche mit einem abwechslungsreichen Mix aus Theater, Konzerten, Lesungen, Film und Bildender Kunst. Ein ganzer Stadtteil wird dabei zu einer einzigen großen Bühne.

Vom 21. Mai bis zum 6. Juni 2010 werden unter dem Titel „Duisburg – Hafen der Kulthauptstadt“ in einem deutschlandweit einzigartigen Programm rund 40 Projekte mit über 100 Einzelveranstaltungen im Hafenstadtteil Ruhrort stattfinden. Sie werden die Geschichte und Geschichten Ruhrorts erzählen oder mit den zahlreichen Metaphern des Hafens wie Hoffnung, Aufbruch, Sehnsucht und Schutz aber auch Enttäuschung spielen. Darüber hinaus beteiligen sich renommierte Kulturinstitutionen wie das Kultur- und Stadthistorische Museum und das Theater Duisburg mit seinem traditionsreichen Theatertreffen.

2raumwohung (Foto: Anca Munteanu Rimnic)2raumwohung (Foto: Anca Munteanu Rimnic)

Eröffnet wird das Kulturfestival am 21. Mai auf der Mercatorinsel mit der bildmächtigen Performance „Global Rheingold“ von der spanisch-katalanischen Theatergruppe „La Fura dels Baus“. An die Perfomance auf der Mercatorinsel schließt sich eine nächtliche Stadtteilparty in Ruhrort u.a. mit einem Konzert von „2raumwohnug“ und zahlreichen Vernissagen an. Verwirklicht wird das ehrgeizige Programm in Zusammenarbeit mit der in Ruhrort ansässigen Franz Haniel & Cie. GmbH. Die „Akzente“, die zugleich Duisburgs Beitrag zu den „Local Heroes“-Wochen der Kulturhauptstadt RUHR.2010 sind, stehen unter der Schirmherrschaft von Franz M. Haniel, dem Aufsichtsratsvorsitzenden des Hauses Haniel.

Ruhrort ist der historische Kern und bis heute das Herz des größten europäischen Binnenhafens. Bedingt durch seine Insellage zwischen Rhein, Ruhr und Häfen sowie durch eine historische Bausubstanz, wie man sie in Duisburg nur selten findet, hat Ruhrort einen ganz eigenen Charme. Trotz enormer Potenziale kämpft der Stadtteil auch mit Schwierigkeiten, wie eine Anzahl leer stehender Ladenlokale andeutet. Die „Akzente“ wollen die Freiräume dieses Stadtteils nutzen und zugleich ein überregionales Interesse auf ihn lenken. Entwickelt wurde das Programm zum Teil mit in Ruhrort ansässigen Initiativen, Künstlerinnen und Künstlern.

Theaterprojekte

Zwei Theaterprojekte machen die Bandbreite des Programms in Ruhrort deutlich. Die internationale Großproduktion „Global Rheingold“ – eine Hommage an Richard Wagner und Gerhard Mercator – entwirft u.a. mit neun Meter großen Marionetten, Trapezkünstlern, Feuerwerk und Kränen große Bilder, die auch die Industrialisierung thematisieren. Ausgehend von dem Schiff NAUMON erobert die Handlung Erde, Himmel, Wasser und Feuer. Dagegen setzt das Bootsprojekt „Oskars Welt“ (Premiere 28. Mai, 21:30 Uhr) auf Stille und Intimität. Begleitet von der Schauspielerin und Regisseurin Friederike Schmahl brechen die Passagiere auf zu einer literarisch-theatralischen Reise in die ältesten Bereiche des Duisburger Hafens.

Weitere Theaterprojekte, die eigens für die Akzente entstehen, sind u.a. die Dramatisierung von Silvia Kaffkes historischem Ruhrort-Krimi „Das rote Licht des Mondes“ in Form einer „LiteraTour“ durch den Stadtteil (Premiere 29. Mai, 15 Uhr) und die Inszenierung von Armin Petras Stück „Hafen der Sehnsucht“ durch Anja Brunsbach (Premiere 28. Mai, 20 Uhr) in der ehemaligen Gaststätte „Bergiusstube“. Außerdem wird der Regisseur Johannes Lepper die Museumsschiffe „Oscar Huber“ und „Minden“ in die „Ghost of Chance“ (Premiere 2. Juni, 22 Uhr) verwandeln sowie das Regie-Duo Jennifer Whigham und Jens Kerbel Aki Kaurismäkis „Das Mädchen aus der Streichholzfabrik“ (Premiere 24. Mai, 20 Uhr) als szenische Installation in einer ehemaligen Taxizentrale inszenieren.

Rituale zwischen Erstarrung und Aufbruch beschreiben Anja Schöne und Thorsten Töpp in ihrem MusikTheater „Schiff Re-e“ (Premiere 29. Mai, 20 Uhr) und Dirk Schwantes zeigt in „Cortés – the Killer“ (Premiere 23. Mai, 20 Uhr) den Eroberer und Abenteurer Hernán Cortés gefangen in einem doppelten Konflikt zwischen Vater und Sohn und „Alter“ und „Neuer“ Welt. Die Initiative „Theater Arbeit Duisburg (TAD)“ will in ihrem Projekt „Vor der Mündung“ (Premiere 22. Mai, 20 Uhr) Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft in einem Punkt zusammenführen.

Ausstellungen

Die Bedeutung des Schiffbaus als Beitrag zur Technikgeschichte will die Ausstellung „Schiffsarchäologie am Rhein und seinen Nebenflüssen“ im Museum der Deutschen Binnenschifffahrt deutlich machen. Nächtliche Eindrück aus den Duisburg-Ruhrorter Häfen zeigt die Foto-Ausstellung „Die Nacht ist bunt am Hafenmund“ von Frank Hohmann und Daniela Szczepanski. Das Besondere an dieser Ausstellung: Die Fotos werden in einem Format von 3 × 2 Metern „Open Air“ präsentiert und bleiben auch nach dem Ende der Akzente als Dauerinstallation am Leinpfad.
Wasser ist der Quell allen Lebens. Die von Stacey Blatt und Elisabeth Höller konzipierten Ausstellung von 22 Künstlerinnen und Künstlern „Wasser, Hafen, Ruhrort“ greift diese Thematik nicht allein als Kunstausstellung, sondern auch in Form von Spielen und Musik auf.

Film

Unter dem Titel „Liebe, Sehnsucht, Ruhrort“ feiert ein neuer Ruhrort-Film mit Bildern aus den zwanziger bis fünfziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts seine Premiere. Kai Gottlob, Geschäftsführer des filmforums, hat dieses Material in Archiven entdeckt, restauriert und geschnitten und die Duisburger Autorin Silvia Kaffke einen Text dazu geschrieben. Eine besondere emotionale Qualität erhält der Film durch die Musik von Tim Isfort, die auch fast vergessene Ruhrorter Lieder zitiert und verfremdet. Vom 27. – 29. Mai wird der Film im Kirchgarten St. Maximilian als filmisch-literarisch-musikalische Inszenierung aufgeführt, u.a. mit der achtköpfigen Tim Isfort Tonmaschine, dem Sprecher und Schauspieler Christian Brückner und der Sängerin Eva Kurowski.
Einzelne Sequenzen dieses Films werden dauerhaft in Ruhrort in sogenannten Videostelen zu sehen sein. Diese ca. 1,60 Meter hohen Stelen erinnern optisch an Hafenpoller.

Literatur

Auch Duisburger Kulturinstitute wie die Stadtbibliothek und die Volkshochschule zieht es in diesem Jahr in den Hafenstadtteil Ruhrort. Joachim Sartorius liest aus seinem Roman „Die Prinzeninseln“ (25. Mai), Judith Schalansky stellt ihren sowohl literarisch als auch gestalterisch ungewöhnlichen „Atlas der abgelegenen Inseln“ (28. Mai) und Cécile Wajsbrot liest aus „Nocturnes“ (2. Juni), einem Band mit Erzählungen, die Dramen im Angesicht des Meeres nachspüren.
Akzente-Theatertreffen

Das traditionelle Theatertreffen der „Akzente“ bringt auch in diesem Jahr wieder hochkarätiges deutschsprachiges Sprechtheater wie Jürgen Goschs letzte Inszenierung, „Die Möwe“ von Anton Tschechow, nach Duisburg (1. und 2. Juni). Die umjubelte Produktion des 2009 verstorbenen Regisseurs wurde zum Berliner Theatertreffen eingeladen und in der Kritikerumfrage von „Theater heute“ zur Inszenierung des Jahres gewählt. Mit nur drei Schauspielern arbeitet die Regisseurin Barbara Frey in ihrer Version von Shakespeares „Sturm“ für das Wiener Burgtheater (3. Juni, 19:30 Uhr).

(Quelle: PM der Duisburg Marketing GmbH)

22. Mai 2010, ah

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