NRW ganz und gar närrisch

Bald ist es wieder soweit – die fünfte Jahreszeit hält Einzug in NRW. Neben den auch über die Landesgrenzen hinaus bekannten Karnevalshochburgen Köln und Düsseldorf wird auch in anderen Städten und Gemeinden NRWs Karneval gefeiert.

Ab dem 11.11.2014 gibt es für die zahlreichen Jecken in NRW kein Halten mehr. Die Session 2014/2015 beginnt pünktlich um 11.11 Uhr und dauert bis zum Aschermittwoch am 18. Februar 2015 an. Der Höhepunkt des karnevalistischen Treibens ist vielerorts der Rosenmontag, der in dieser Session auf den 16. Februar fällt. Der Straßenkarneval beginnt vielerorts an Altweiber, den Donnerstag vor Aschermittwoch. In der Nacht von Veilchendienstag auf Aschermittwoch lassen zahlreiche Jecken einen Sündenbock für ihre Laster während der tollen Tage büßen.

In Attendorn ist alles ein wenig anders. Der Schlachtruf lautet nicht »Alaaf« oder »Helau«, sondern die Attendorner schmettern ein dreifaches yKatt-filler« („Katzenmörder“). Auch der Höhepunkt des Straßenkarnevals — der traditionelle Festumzug — findet nicht am Rosenmontag, sondern am Veilchendienstag statt. Beim größten Umzug Südwestfalens machen alljährlich rund 1.800 Attendorner mit. Dies brachte der alten Hansestadt den Namen »Klein-Köln« ein. Der Rosenmontag gehört traditionell den kleinen Jecken und dem Kinder-Karnevalszug. (www.karneval-attendorn.de)

Die Karnevalisten im schönen Eifelstädtchen Blankenheim blicken auf eine fast 400 Jahre alte Karnevalstradition zurück. Eines der Highlights des Blankenheimer Karnevals ist der Geisterzug, der alljährlich am Karnevalssamstag stattfindet. Der Blankenheimer Geisterschar voran machen Schelleböuchme, Obergeist und Hexen zu den Klängen des Juh-Jah Marsches den Weg frei. Mit Pechfackeln ausgerüstet folgen die Geister in Bettlaken gehüllt und mit Mehl geweißtem Gesicht durch die beleuchteten Blankenheimer Straßen. (www.juh-jah.de)

In Bonn lautet das Motto für 2015 »Bönnsche im Jlöck – domols wie höck«. Nach der Inbesitznahme der Stadt durch die Karnevalsjecken beginnt der Bonner Straßenkarneval. Highlight ist der Rosenmontagszug. Am Aschermittwoch werden dann Prinz Rainer I. und Bonna Victoria I. mit dem Portemonnaieauswaschen am Rhein die Session beenden und und sich nach dem »Trauermarsch« der Ehrengarde zum gemeinsamen Fischessen begeben. (www.festausschuss.de)

Auch über die Grenzen NRWs und Deutschlands hinaus bekannt ist das Karnevalstreiben in der Landeshauptstadt Düsseldorf. Ab Altweiber herrscht hier der Ausnahmezustand. Rund eine Million Besucher kommen zum traditionellen Rosenmontagszug nach Düsseldorf. Unter dem Motto »Traumhaft jeck!« begehen die Düsseldorfer in diesem Jahr die fünfte Jahreszeit. Ebenfalls fest zum Karnevalsprogramm gehört das Tuntenrennen auf der Kö und das Tonnenrennen in Niederkassel. (www.karneval-in-duesseldorf.de)

Ebenfalls weltberühmt ist der Karneval in Köln. Höhepunkt des Straßenkarnevals ist auch hier der Rosenmontagszug, der sich auf einer rund sechs Kilometer langen Strecke und zu unzähligen „Kölle Alaafs“ durch die Kölner Innenstadt zieht. Inzwischen zum festen Programm gehört der Geisterzug am Karnevalsamstag. Traditionelles Ende nimmt die Session in der Nacht zum Aschermittwoch mit der Nubbelverbrennung: Dabei wird der Nubbel — eine angekleidete Puppe aus Stroh, die während der tollen Tage in den Kneipen gehangen hat — verbrannt, um stellvertretend für alle Sünden der Feiernden zu büßen. (www.koelnerkarneval.de)

Einer der längsten Karnevalszüge Deutschlands schlängelt sich alljährlich durch die Straßen Mönchengladbachs. Unter dem diesjährigen Motto »Gladbach hat auf jeden Fall ‘nen saaagenhaften Karneval« wird der Festumzug am Veilchendienstag wieder zahlreiche Einheimische und Besucher anlocken. Die Tollitäten dieser Session Prinz Rolf III. und Prinzessin Niersia Dagmar verwöhnen ihr Gefolge mit Strüssje und Kamelle. (www.mg-mkv.de)

Dass das närrische Treiben nicht nur in den größeren Städten brodelt, beweist das münsterländische Olfen. Zum großen Festumzug am Nelkendienstag versammeln sich nicht nur einheimische Jecken, sondern auch zahlreiche Karnevalisten aus den Niederlanden. Die Olfener gründeten 1834 die Karnevalsgesellschaft KITT, die — wie der gleichnamige Kleber — die Einwohner Olfens zusammen halten soll. (www.kitt-olfen.de)

Das westfälische Unna hingegen verschießt sich fast vollständig dem karnevalistischen Treiben. Nur ein Bürger der Stadt ist jeck und veranstaltet zu jeder Session den »kleinsten Karnevalszug der Welt«. Helmut Scherer zieht seit mehr als 50 Jahren an Weiberfastnacht allein mit seinem Bollerwagen in Richtung Unnaer Rathaus, um dort um 11.11 Uhr die Schlüsselgewalt zu übernehmen.

20. Januar 2015, ah

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