Jagd auf die Moderne. Verbotene Künste im Dritten Reich.

Eine einzigartige Zusammenstellung von 180 Werken, die im Dritten Reich als »entartet« galten, zeigt die Ausstellung »Jagd auf die Moderne. Verbotene Künste im Dritten Reich«, die vom 18. März bis 28. Mai 2012 im Kunstmuseum Mülheim an der Ruhr zu sehen ist.

Werke bildender Kunst, Literatur und Musik verweisen auf das dunkelste Kapitel deutscher Geschichte, welches mit der Machtergreifung Hitlers 1933 begann. Die Exponate in ihrer Vielfalt verbindet, dass sie aufgrund ihrer modernen Ausdrucksformen und die Künstler wegen ihrer ethnischen Herkunft oder politischen Gesinnung nicht dem ästhetischen und ideologischen Bild der Nationalsozialisten entsprachen. Die Künste galten als “entartet” – ihre kreativen Erschaffer indes wurden öffentlich diffamiert, gejagt, vertrieben und ermordet, darunter Emil Nolde, Rudolf Belling, Anna Seghers, Otto Freundlich und Lion Feuchtwanger.

Doch nicht nur Werke deutscher Kunstschaffender wurden nach nationalsozialistischen Maßstäben selektiert. Während der Okkupation wiederfuhr auch polnischen Künstlern dieses Schicksal – auch ihre Werke zeigt die Ausstellung, die bis vor wenigen Wochen noch im ICC zu sehen war. Sie verdeutlicht mithin die Struktur der nationalsozialistischen Kulturpolitik und ihrer verheerenden Auswirkungen auf die Kultur beiden Länder sowie die Lebensläufe der präsentierten Künstlerinnen und Künstler.

»Der LVR versteht die ,Jagd auf die Moderne’ als aktiven Beitrag zum Polen-NRW-Jahr«, erklärte Milena Karabaic, LVR-Dezernentin Kultur und Umwelt. »Eine Ausstellung, welche dieses Kapitel unserer gemeinsamen Geschichte zum Thema hat, und die in Zusammenarbeit mit einem polnischen Partner entstanden ist, kann nie nur eine Ausstellung über die Situation allein in Deutschland sein. Sie muss immer die Situation in Polen und in Europa einbeziehen und ist somit höchst aktuell. Ich bin sicher, dass sie dazu beiträgt, Geschichte im Dialog aufzuarbeiten, Verantwortung zu übernehmen und den zukünftigen Diskurs gemeinsam zu gestalten.»

Nach der Präsentation im ICC in Polen ist die »Jagd auf die Moderne« nun im Kunstmuseum Mülheim an der Ruhr zu sehen. »Das Kunstmuseum Mülheim an der Ruhr mit seiner bedeutenden Sammlung zur Klassischen Moderne ist die einzige deutsche Station dieser interdisziplinär ausgerichteten Ausstellung«, so Dr. Beate Reese, Direktorin des Museums. »Wir sehen es als besondere Aufgabe und Herausforderung an, diese Ausstellung mit Leihgaben auch aus polnischen Museen anschaulich einer jüngeren Generation zu vermitteln. Das Interesse an der Ausstellung und unserem Zeitzeugenprojekt ist bereits jetzt sehr groß.«
Das Zeitzeugenprojekt ist ein generationenübergreifendes Bildungs- und Vermittlungsangebot insbesondere für weiterführende Schulen. Es besteht aus den Modulen Ausstellungsrundgang, Gespräch mit einem Zeitzeugen, einer Zeitzeugin sowie einem praktischen Workshop.

Zu »einer der zehn wichtigsten Ausstellungen 2011« zählte die polnische Zeitschrift »Polityka« – vergleichbar mit dem »Spiegel« – die »Jagd auf die Moderne«. »Mehr als 10.500 Besucherinnen und Besucher kamen in unser Haus«, so Prof. Dr. Jacek Purchla, Direktor des ICC. »Wir konnten dem polnischen Publikum nicht nur die Errungenschaften deutscher Kunst des 20. Jahrhunderts näherbringen, sondern zugleich auch das tragische Kapitel der Kulturgeschichte beider Länder unter den Nationalsozialisten aufzeigen.«

Judith Schönwiesner, LVR-Kuratorin des Projektes: »Über die Aufarbeitung unserer Geschichte hinaus, darf nicht vergessen werden, dass auch im 21. Jahrhundert noch immer Künstler um ihr Leben fürchten müssen, weil ihre Arbeiten nicht dem gewünschten staatlichen Ideal entsprechen. Es wäre wünschenswert, wenn die Ausstellung es schafft, den Blick zu schärfen für die Unterdrückungsmechanismen totalitärer Systeme, so dass ein Weiterdenken provoziert und das Recht auf den freien Ausdruck im Bewusstsein gehalten wird. Nur so wird es möglich sein, aus der Vergangenheit zu lernen, heutige Strömungen diktatorischer Politik zu erkennen und die Stimme für die Opfer dieser Systeme zu erheben.«

Wann?

Die Ausstellung ist vom 18. März bis 28. Mai 2012 zu sehen.

Wo?


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Eintrittspreise

Der Eintritt kostet 4 Euro, ermäßigt 2 Euro.

(Quelle: PM des Landschaftsverband Rheinland, LVR)

21. März 2012, ts

Rubrik:
Kunst & Kultur
Region:
Ruhrgebiet
Tags:
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