»The Art of Pop Video« im MAKK

Vom 9. April bis 3. Juli 2011 zeigt das Museum für Angewandte Kunst Köln (MAKK) die Ausstellung »The Art of Pop Video« und feiert den Musik-Clip als eigenständige Kunstform.

 Museum für angewandte Kunst, Köln. Museum für angewandte Kunst, Köln (Foto: Lichtwerbefabrik, Wikipedia [Lizenz: GFDL]).Schemenhaft, immer an der Grenze zur Auflösung flimmert ein Gesicht über den Bildschirm, fragile Landschaften zerfallen in Pixelstaub: Das Video der Band Radiohead zum Song »House of Cards« entstand ohne Kameras oder Licht, sondern mit Scannern. Regisseur James Frost schuf damit eines der mehr als 100 klassischen und stilbildenden Musikvideos, die im MAKK Museum für Angewandte Kunst Köln das Bild einer Gattung zeichnen: »The Art of Pop Video«.

Lange bevor der Musiksender MTV am 1. August 1981 mit dem Buggles-Clip »Video Killed the Radio Star« auf Sendung ging, war das Popvideo eine feste Größe in der Vermittlung musikalischer und ästhetischer Innovationen. Die Ausstellung »The Art of Pop Video« feiert das Musikvideo in all seinen Ausdrucksformen und lädt dazu ein, seine filmischen Vorläufer ebenso kennen zu lernen, wie einen Blick in seine Zukunft zu wagen.

Die Ausstellung gliedert sich in zwölf Kapitel: Einem historischen Block folgen Räume mit den Titeln: Abstractions, Die Eroberung des Films, Die Eroberung der Kunst, The Dancing of Politics, Amateur, Tanz, Who Wants to Live Forever?, All Is Full of Love, The Wilderness Downtown und Look at Yourself – Der Videoclip betrachtet sich selbst. Ein eigener Raum ist dem Musikvideo als Medium der Bildenden Kunst gewidmet.

In der Ära des High-Speed-Internets können alle User zu »Vee-jays« werden: Einige der besten Clips stammen heute von Amateuren, die mit spontanen Geniestreichen die Profis herausfordern. Das Video zu »We Won’t Break« von Zoot Women, in dem Figuren der Renaissancegemälde Hieronymus Boschs und Pieter Breughels zum Leben erwachen, war ursprünglich Mirjam Bakers und Michael Krens Abschlussprojekt an der Fachhochschule St.Pölten. Als der Schlagzeuger der Band zufällig die Animation auf Youtube entdeckt hatte, wurde sie zum offiziellen Musikvideo des Songs erhoben. Solch neuartige, demokratische Produktionsweisen bescheren dem Musikvideo gegenwärtig eine neue Blüte: »Mash Up«, »Amateur Style« und »Interaktion« heißen diese aktuellen Strömungen im Popvideo.

Befreit vom Weichspüldiktat des Fernsehens entdecken viele Popvideo-Regisseure derzeit polarisierende Themen wie Jugendgewalt und Politik. Ein Schwerpunkt der Ausstellung stellt daher politisch relevante Popvideos seit den Sechziger Jahren vor – von Bob Dylan und den Kinks bis zu George Michaels Anklage gegen den Irak-Krieg (»Shoot the Dog«) und Daft Punks Auseinandersetzung mit der »Pop-Ikone« Barack Obama.

Längst ist Andy Warhols Versprechen von der Demokratisierung des Ruhms in der Ära von Youtube und Facebook wahr geworden. Die Ausstellung erinnert aber auch an Warhols eigenen Anteil an der neuen Kunstform. In seinen letzten Lebensjahren hatte der Pop-Artist seine eigene Show auf der MTV-Plattform und produzierte Videoclips. Gleichwohl wurde die neue Gattung von der Kulturkritik erst einmal als geistlose Bilderflut gescholten. Dem Popvideo, so hieß es damals, sei nichts heilig – weder das Erbe der Avantgarde noch Sitte oder Moral. Heute erscheint gerade diese Unbefangenheit als Glücksfall.

Das Popvideo wurde zu einem Jungbrunnen der visuellen Kultur. Glücklich, wer in den 80er und 90er Jahren einen Fernsehapparat besaß: Künstler wie Madonna, Michael Jackson, Peter Gabriel, Pet Shop Boys, Björk, Daft Punk oder White Stripes, Regisseure wie Michel Gondry, Chris Cunningham, David La Chappelle, Mark Romanek oder Jonathan Glazer überschütteten Musikfans mit einem Überschuss an kreativer Phantasie und ebneten damit auch der Video- und Filmkunst neue Wege.

Heute sind es Bildende Künstler wie Tom Dale, Christian Jankowski, Erik van Lieshout, Michael Smith oder Wolfgang Tillmanns, die die Form eines Musikvideos aufgreifen und für ihre zeitbasierten Arbeiten nutzen oder in deren Werken die Musik eine vergleichbar dominierende Rolle spielt wie in zur Musik produzierten Videos.

Auch Arbeiten des Starregisseurs Wong Kar-Wai sind in der Ausstellung vertreten.Auch Arbeiten des Starregisseurs Wong Kar-Wai sind in der Ausstellung vertreten (Foto: Tabercil, Wikipedia [Lizenz: CC-BY]).Die Ausstellung im MAKK feiert nicht nur das Musikvideo mit Meisterwerken, die auf eigenen Monitoren oder in Projektionsräumen gezeigt werden, sie setzt sie in Beziehung zur bildenden Kunst und dem Film – dabei sind unter anderem Arbeiten von Starregisseuren wie Wong Kar-Wai und David Fincher vertreten. Der Besucher ist eingeladen, jedes Werk – losgelöst aus dem Flow der Musikkanäle – eigenständig und in voller Länge zu genießen oder sich von der Dramaturgie der Ausstellung treiben zu lassen, die immer wieder überraschende historische und thematische Parallelen aufzeigt.

Kuratiert von Michael P. Aust (Filmproduzent und Leiter von SoundTrack_Cologne), dem Filmkritiker und Autor Daniel Kothenschulte sowie Georg Elben, dem Leiter der Bonner Videonale, präsentiert die Kölner Ausstellung das Popvideo als eigenständige Kunstform und macht zugleich die Vielfalt seiner Kontexte sichtbar.

Die Ausstellung des Museum für Angewandte Kunst Köln ist eine Kooperation mit TelevisorTroika GmbH, gefördert vom LVR Landschaftsverband Rheinland, Stadt Köln, Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport und SK Stiftung Kultur Köln. Medienpartner sind die c/o pop und Intro.

Wann?

Die Ausstellung läuft vom 9. April bis 3. Juli 2011.

Öffnungszeiten

Dienstag bis Sonntag 11 bis 17 Uhr
Jeden ersten Sonntag im Monat ab 10 Uhr
Jeden ersten Donnerstag im Monat bis 22 Uhr

Eintrittspreise

5,- Euro / 3,50 Euro ermäßigt

Wo?


Größere Kartenansicht

(Quelle: PM der TELEVISOR TROIKA GMBH)

3. März 2011, ts

Rubrik:
Kunst & Kultur
Region:
Köln & Rhein-Erft-Kreis
Tags:
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