»Neue Alchemie. Kunst der Gegenwart nach Beuys»

In der Sonderausstellung »Neue Alchemie. Kunst der Gegenwart nach Beuys« zeigt das LWL-Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte vom 19. September 2010 bis zum 16. Januar 2011 in Münster 32 Werke von elf zeitgenössischen Künstlern.

Nina Canell, Shedding Skin, 2009.Nina Canell, Shedding Skin, 2009 (Foto: Robin Watkins, Courtesy: The artist and mother's tankstation, Dublin).

Über 20 Jahre nach dem Tod von Joseph Beuys lässt sich eine neue Entdeckung machen: Junge Künstler greifen in ihren Werken die von Beuys eingeführte Ästhetik und seine inhaltlichen Kategorien in der Gegenwart auf. Es entstehen Werke aus »armen« Materialien wie Ton, Gips, Holz und Ästen, Metallen, Steinen, angedeuteten oder echten Tiermaterialien und Textilien. Diese junge Künstlergeneration beschwört die Kraft des Ursprünglichen, der Natur, der Energie und des Irrationalen.

Das Museum des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) zeigt in der Ausstellung erstmals, wie das Werk von Joseph Beuys für die Kunst der Gegenwart aufgegriffen und weitergedacht wird.

Schon der Titel »Neue Alchemie« beschreibt die experimentelle, hypothesenhafte Anlage der Ausstellung. »Bei den eingeladenen Künstlern handelt es sich nicht um eine erklärte Kunstbewegung im klassischen Sinne, vielmehr setzen sich hier zahlreiche, voneinander unabhängige und höchst individuelle Einzelpositionen zu einem Gesamtbild zusammen, das in der Ausstellung erstmals als ein zusammenhängendes Phänomen beschrieben wird«, erläutert die Kuratorin Melanie Bono ihren Ansatz. Die ausgewählten Künstler sind fast alle in den 1970er Jahren geboren und stehen mit ihrem Werk aktuell im Fokus der internationalen Aufmerksamkeit. So vertritt Karla Black Schottland im nächsten Jahr auf der Biennale in Venedig, Nina Canell zeigt ihr Werk im kommenden Jahr im Museum of Modern Art in New York.

Die eingeladenen Künstler sind selbst nicht mehr Zeugen von der Überlagerung der Person Beuys mit seinem Werk, von seiner Präsenz und seinem Charisma geworden, sondern kennen seine Kunst ausschließlich über medial vermittelte Bilder, Filme oder aus dem Museum als statische, nicht mehr lebendige Werke.

Matthew Ronay, Mounting Toward Zenith - Descending and Disappearing, 2008.Matthew Ronay, Mounting Toward Zenith - Descending and Disappearing, 2008 (Foto: LWL-LMKuK/ Hanna Neander, Courtesy: Lüttgenmeijer, Berlin)Der Charakter der neuen Kunstwerke ist der des Prozesses. Statt einer endgültigen Form ist der Moment der Transformation maßgeblich: Ein Vorhang aus fragilem Zuckerpapier (It‘s Proof That Counts von Karla Black) zeigt die Vergänglichkeit des Materials. Katinka Bock lässt in ihrer Arbeit Local Colour Balance das Raumklima des Museums eingreifen: Drei Zitronen, an einer Eisenstange befestigt, halten sich die Waage mit einem Stoffband. Im Laufe der Zeit verlieren die Zitronen an Feuchtigkeit, trocknen ein und werden dadurch leichter. Wann wird das Gleichgewicht zerbrechen?

Einige Künstler erzeugen romantische und mystisch-alchemistische Assoziationen, indem sie in ihren Werken Technik, Natureinfluss und Naturimitation kombinieren. Nina Canell schafft aus mit Wasser gefüllten Plastikwannen, die mit Trommelfellen überzogen sind, eine mystische Nebel-Klang-Landschaft (Shedding Skin). Oft werden die Materialien in besonderen, bedeutungsvollen und symbolisch aufgeladenen Anordnungen als Installationen und Skulpturen im Raum positioniert, zum Beispiel in der Rauminstallation »Raum#256 – Opak« von Lone Haugaard Madsen. Es handelt sich dabei um das Aufgreifen einer Ästhetik, die man aus der musealen Präsentation der Beuys-Räume kennt, die aber auch auf die Vitrinen-Arrangements von Beuys anspielen.

Weitere Informationen unter www.lwl-landesmuseum-muenster.de

Wann?

Die Ausstellung läuft vom 19. September bis 16. Januar 2010.

Wo?


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(Quelle: PM des Landschaftsverband Westfalen-Lippe, LWL)

15. September 2010, ts

Rubrik:
Kunst & Kultur
Region:
Münsterland
Tags:
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